Die beiden DAX-Konzerne Vonovia und Deutsche Wohnen wollen fusionieren. Es würde der neue Wohnungsimmobilien-Riese in Europa entstehen. Vonovia erhofft sich jährliche Synergieeffekte von mehr als 100 Millionen Euro.

Vonovia sorgte am Dienstag für einen Paukenschlag. Für 18 Milliarden Euro will Deutschlands größter Wohnungsvermieter die Nummer zwei des Landes Deutsche Wohnen übernehmen. Bereits 2016 versuchte Vonovia die Deutsche Wohnen zu schlucken, doch stellten sich die Aktionäre und Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn damals quer. Dieses Mal könnte das Vorhaben besser für Vonovia laufen, denn während damals eine „feindliche“ Atmosphäre herrschte, gebe es nun in Sachen „Einstellung und Kultur“ eine gemeinsame Linie, sagte Zahn jetzt auf der Pressekonferenz.

Vonovia – Stand: 27.05.2021

Vonovia bietet für jede Deutsche-Wohnen-Aktie 52 Euro und will den Aktionären auch eine Dividende von 1,03 Euro zahlen. Somit liegt das Übernahmeangebot bei 53,03 Euro je Aktie und damit rund 18 Prozent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Die Chancen, dass die Deutsche-Wohnen-Aktionäre das Angebot dieses Mal annehmen (damals dienten lediglich 30 Prozent von ihnen ihre Aktien an), stehen ganz gut. Zum einen haben Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen das Übernahmeangebot begrüßt und den Aktionären die Annahme empfohlen. Zudem sei das Kurspotenzial bei der Deutsche-Wohnen-Aktie nach Meinung zahlreicher Analysten nun weitgehend ausgereizt.

Kommt der Deal zustande, würde Vonovia mit etwa 557.000 Wohnungen zum größtem Konzern Europas für Wohnimmobilien aufsteigen. Der Wert der Immobilien wird auf etwa 90 Milliarden Euro taxiert. Naturgemäß schoss die Aktie der Deutsche Wohnen nach dem Übernahmeangebot nach oben und notiert nun im Bereich des Angebots. Das Vonovia-Papier gab um gut 5 Prozent nach, was aber keine große Überraschung war. Denn Vonovia plant zur Aufwendung der Kaufsumme eine Kapitalerhöhung über rund 8 Milliarden Euro, womit der Gewinn verwässert würde.

Der Kursrückgang könnte jedoch eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten, denn Vonovia würde seine Position in Deutschland und vor allem in der Hauptstadt Berlin enorm verbessern — rund 115.000 der insgesamt 160.000 Wohnungen der Deutsche Wohnen befinden sich in Berlin. Zudem erhofft sich Vonovia erhebliche Synergieeffekte. Denn Deutschlands größter Wohnungskonzern war zuletzt nicht nur durch Neubauten, Zukäufe und steigende Mieteinnahmen gewachsen, sondern vor allem wegen seines Konzepts der „wohnungsnahen“ Dienstleistungen. Dazu zählen unter anderem etliche konzerneigene Handwerker, die bei Reparaturen in den Wohnungen für Zusatzeinnahmen sorgen. Zudem verkauft Vonovia Versicherungsprodukte rund ums Wohnen und liefert Energie an die Mieterhaushalte. Vonovia bezieht seine Einkünfte also längst nicht nur aus Mieten, sondern aus einer Vielzahl anderer Leistungen, die nun auch auf die Deutsche-Wohnen-Objekte angewendet werden können. Der Konzern verspricht sich bis 2024 jährliche Synergieeffekte von mehr als 100 Millionen Euro.

Die Aktie hat sich zuletzt deutlich von ihrem im September erreichten Rekordhoch bei 62,74 Euro entfernt. Am Zwischenhoch vom Mai 2019 bei 48,90 Euro fand der Kurs am Dienstag jedoch Halt und erholte sich von hier aus etwas. Inzwischen konnte sogar die 50-Euro-Marke zurückerobert werden. Das Chartbild würde sich wieder deutlicher aufhellen, sollte das Februar-Tief bei 52,34 Euro zurückerobert werden. Danach würden die beiden gleitenden Durchschnitte der vergangenen 38 respektive 200 Tage in den Fokus rücken, die aktuell bei 54,30 respektive 56,51 Euro verlaufen. Kann auch der bei etwa 59 Euro verlaufende Abwärtstrend nach oben verlassen werden, dürfte das Rekordhoch wieder ins Visier der Anleger rücken.

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