Walt Disney greift mit seinem Streaming-Dienst Disney+ Platzhirsch Netflix an. Das ehemals langweilige Traditionsunternehmen könnte nun eine spannende Wachstumsstory liefern.

Walt Disney – Stand 18.11.2019

Für viele Anleger dürfte der US-Medienkonzern Walt Disney ein eher langweiliges Traditionsunternehmen sein. Und schaut man sich die Kursentwicklung der Disney-Aktie in der Vergangenheit an, dann wird der Eindruck noch erhärtet. Nachdem das Papier im August 2015 bei 122,08 US-Dollar ein neues Hoch erreichte, ging es in eine 4-jährige Seitwärtsbewegung über. Die komplette Trump-Rallye an den US-Börsen, die beispielsweise den Leitindex Dow Jones in den vergangenen drei Jahren um rund 50 Prozent nach oben hievte, hatte die Aktie des Mikey-Maus-Konzerns lange Zeit völlig verschlafen.
Doch im April 2019 kündigte der Konzern an, einen eigenen Streaming-Dienst auf die Beine zu stellen – die Geburt von Disney+ (Disney Plus). Der Streaming-Dienst ging dann auch am 12. November – zunächst nur in den USA – an den Start und schlug alle Erwartungen. Nach zwei Tagen hatte der Dienst bereits mehr als zehn Millionen Abonnenten. Selbst Walt Disney hatte nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet – beim Installieren des Dienstes gab es wegen des unerwartet starken Andrangs daher auch einige Schwierigkeiten. Walt Disney ging mit einem Kampfpreis von 6,99 Dollar im Monat an den Start, womit der Streaming-Dienst um einiges günstiger ist als beispielsweise der von Platzhirsch Netflix, der in HD-Qualität 12,99 Dollar im Monat kostet. Und wer denkt, Disney+ bietet nur Walt-Disney-Klassiker wie „Bambi“, „Dumbo“ oder „Die Schöne und das Biest“ an, der irrt. Zum Disney-Konzern gehören mittlerweile auch Unternehmen wie Pixar (Toy Story), Marvel (Iron Man, Avengers) und Lucasfilm (Star Wars) oder der Fernsehsender National Geographic. Erst im März hatte Walt Disney Teile des Medienunternehmens 21st Century Fox für 71,4 Milliarden Dollar übernommen. Damit erlangte Disney die komplette Kontrolle über das Hollywood-Studio 20th Century Fox und der Fox Television Group – dazu zählen auch die Superhelden X-Men und Deadpool, sowie auch die Simpsons und Family Guy. Insgesamt haben Kunden von Disney+ nun Zugang zu rund 600 Filmen und etwa 7.500 Serienfolgen.

Dank der Fox-Übernahme und Kinohits wie „Der König der Löwen“ oder „Toy Story 4“ verzeichnete der Disney-Konzern im gerade abgelaufenen vierten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr von rund 34 Prozent auf 19,1 Milliarden Dollar. Der Umsatz für das Gesamtjahr kletterte um 17 Prozent auf einen neuen Rekord von 69,57 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn ging aufgrund der Anfangsinvestitionen in den Streaming-Dienst jedoch um 12 Prozent auf etwas über 11 Milliarden Dollar zurück.

Mit Disney+ könnte Walt Disney bald eine führende Rolle im Streaming-Markt einnehmen. Die Konkurrenz ist zwar groß, doch verfügt das Unternehmen über eine starke Film-Bibliothek. Der Mickey-Maus-Konzern könnte sich somit von einem langweiligen Traditionsunternehmen zu einem spannenden Wachstumsunternehmen gewandelt haben.

Charttechnisch ist die Disney-Aktie erst im April dieses Jahres nach oben ausgebrochen. Der Auslöser war die Ankündigung des eigenen Streaming-Dienstes zu einem monatlichen Kampfpreis von 6,99 Dollar. Die Aktie sprang am 12. April über das Hoch vom August 2015 bei 122,08 Dollar und erreichte bis Ende Juli fast täglich ein neues Allzeithoch. Bei 147,15 Dollar war dann aber erst einmal die Luft raus und eine Konsolidierung setzte ein. Diese ging bis auf 127,54 Dollar hinab, wo nun eine belastbare Unterstützung zu lokalisieren ist. Bereits vorher würde bei 130,63 Dollar der 200-Tage-Durchschnitt auftauchen. Der unerwartet erfolgreiche Start des Streaming-Dienstes sorgte nun für die nächste Kursexplosion auf im Hoch 150,63 Dollar. Kurzfristig dürfte es schwer werden, die Dynamik aufrecht zu halten. Doch mittelfristig dürfte das Disney-Papier bei einer anhaltend positiven Nachrichtenlage neue Rekordhöhen erreichen.

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