Der Stuttgarter Autobauer Daimler schockte jüngst mit schwachen Zahlen für 2019 und der anschließenden drastischen Kürzung der Dividende. Die Aktie fiel daraufhin auf ein 7-Jahres-Tief.

Das Coronavirus hat der chinesischen Wirtschaft einen herben Dämpfer verpasst. Bisher sind allein im Reich der Mitte beinahe 3.000 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, mehr als 80.000 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert. Zahlreiche Städte mit vielen Millionen Einwohnern wurden wochenlang unter Quarantäne gestellt. Büros und Geschäfte wurden geschlossen, die Produktionen zahlreicher Firmen eingestellt. Die wirtschaftliche Aktivität in China kam fast zum Erliegen. Und da ein Großteil der weltweiten Unternehmen ihre Waren oder Zwischenprodukte in China produzieren lässt, sind die Auswirkungen der Virus-Krise nicht auf China begrenzt, sondern dürften weltweit zu spüren sein.

Besonders hart dürften es die Autokonzerne zu spüren bekommen, denn für sie ist China der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. Bereits im Vorfeld hatten die Autobauer unter Absatzschwierigkeiten in China zu leiden. Doch die Probleme dürften im ersten Quartal noch erheblich größer werden. Im Januar waren die Verkaufszahlen in China bereits um 20 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge eingebrochen. Der Branchenverband VDA strich daraufhin seine 2020er-Prognose für den chinesischen Markt auf ein Minus von sieben Prozent zusammen. Für den Stuttgarter Autobauer Daimler keine guten Nachrichten, befindet er sich ohnehin bereits in einer schwierigen Phase.

Erst kürzlich legte Daimler seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2019 vor, die überaus enttäuschend ausfielen. Der operative Gewinn ging im Vergleich zum Vorjahr um etwa 60 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück, der Nettogewinn brach sogar um zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro ein. Das schwache Abschneiden hat auch Konsequenzen für die Aktionäre, denn der Konzern strich die Dividende von 3,25 Euro auf 0,90 Euro zusammen. Bei einem aktuellen Kurs von etwa 38 Euro eine Dividendenrendite von „nur“ noch 2,4 Prozent.

Der kräftige Gewinnrückgang wirkt umso enttäuschender, wenn man sich den Umsatz anschaut, der gegenüber dem Vorjahr sogar um 1,1 Prozent auf 47,13 Milliarden Euro kletterte. Daimler-Chef Ola Källenius brachte es danach auf dem Punkt, als er analysierte: „Wir haben ein Kostenproblem“. Bis 2022 will Daimler daher 1,4 Milliarden Euro beim Personal einsparen. Das Problem: Daimler hat sich erst vor zwei Jahren mit dem Betriebsrat geeinigt, bis 2029 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Doch der Konzern muss nicht nur seine Kosten in den Griff bekommen, er hat noch einen ganzen Sack anderer Probleme zu lösen. In Sachen Elektromobilität fährt die Konkurrenz den Stuttgartern derzeit auf und davon. Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche hat den vielleicht größten Wandel innerhalb der Branche völlig verschlafen. Wenn Daimler nicht schnellstmöglich mehr Elektroautos auf die Straße bekommt, wird es schwierig, die EU-Grenzwerte für die Flottenemission in den kommenden Jahren einzuhalten.

Kurzfristig droht jedoch noch ein anderes Problem. Durch die „Just in Time“-Produktion sind die Lager weltweit kostenoptimiert auf Straßen, Schienen und dem Seeweg verlegt worden. Die Probleme in China könnten die weltweiten Lieferketten gravierend stören. Können zwei oder drei Zulieferer von Daimler ihre Produkte nicht mehr liefern, bricht das ganze Kartenhaus in sich zusammen, denn dann muss die komplette Produktion ruhen. Ein Problem, dass allerdings alle großen Automobilkonzerne teilen.

Daimler hat in den kommenden Jahren eine Menge Arbeit vor sich, um den Glanz vergangener Jahre wiederherzustellen. Wichtig wird es vor allem im Bereich der E-Mobilität nicht den Anschluss zu verlieren. Die Daimler-Aktie ist ein Turnaround-Kandidat. Allerdings bietet sich ein Kauf auf dem aktuellen Niveau und wegen der Virus-Problematik derzeit nicht unbedingt an, zumal der Wert nach der Dividendenkürzung nicht mehr zu den Dividendenperlen gehört.

Charttechnisch befindet sich die Aktie weiterhin in einer intakten Abwärtsbewegung. Erst vor wenigen Tagen wurde das Tief aus dem Jahr 2019 bei 40,31 Euro unterschritten, womit ein neues Verkaufssignal generiert wurde. Bei 36,50 Euro erreichte die Aktie am Montag ein frisches 7-Jahres-Tief. Es tauchen bei etwa 35 und 33 Euro zwar noch leichte Supportbereiche auf, doch das zentrale Unterstützungsniveau ist am Tief aus dem Jahr 2011 bei 29,01 Euro zu lokalisieren.

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