RWE hat sich in dieser Woche weiteres Kapital für den Ausbau der Kapazitäten bei den Erneuerbaren Energien besorgt. Der Höhenflug der Aktie dürfte nur kurzzeitig gebremst werden – das große Interesse der Investoren spricht für weiter steigende Kurse.

RWE – Stand: 19.08.2020

Die RWE-Aktie kletterte gestern über das Februar-Hoch bei 34,64 Euro und erreichte bei 34,99 Euro ein neues Mehrjahreshoch. Das Plus seit Jahresanfang betrug zu diesem Zeitpunkt knapp 28 Prozent, womit die RWE-Aktie die Gewinnerliste im DAX in diesem Jahr klar anführte. Heute stehen die Papiere des Essener Versorgers unter leichtem Abgabedruck, nachdem der Konzern am Dienstagabend nach Börsenschluss überraschend eine Kapitalerhöhung ankündigte.

Im Rahmen einer Privatplatzierung und mittels eines beschleunigten Verfahrens wurden in der Nacht auf Mittwoch rund 61,5 Millionen Aktie zu 32,55 Euro bei institutionellen Investoren platziert. Das Grundkapital wurde somit um 10 Prozent erhöht. Das eingesammelte Kapital (rund 2 Milliarden Euro) soll für Investitionen in den zusätzlichen, kurzfristigen Ausbau des Portfolios an erneuerbaren Energien, in die Weiterentwicklung der Projektpipeline und in weitere sich mittel- und langfristig bietende Wachstumsmöglichkeiten verwendet werden.

Deutschlands größter Stromproduzent war erst Ende 2019 wieder in die Produktion von grünem Strom eingestiegen. RWE hatte im Zuge eines umfassenden Tauschs von Geschäftsaktivitäten die erneuerbaren Energien von Konkurrent E.ON übernommen. Ende Juni kam noch die Ökostromerzeugung der einstigen RWE-Tochter Innogy hinzu. Seither deckt RWE wieder die gesamte Palette der Stromproduktion ab – von Atom- und Kohlekraftwerken über Gas bis hin zu Wind- und Solarenergie. Nachdem inzwischen sowohl der Atom- als auch der Kohleausstieg besiegelt ist, will RWE alle Kapazitäten in den erneuerbaren Energien bündeln. Bis Ende 2022 sollen weitere 5 Milliarden Euro in den Ausbau der Kapazitäten an erneuerbaren Energien investiert werden. RWE ist nach eigenen Angaben weltweit bereits zur Nummer 2 bei der Windkraft auf See und europaweit zur Nummer 3 bei den regenerativen Energien insgesamt aufgestiegen.

Erst vor wenigen Tagen legte der Stromversorger seine Zahlen für das erste Halbjahr 2020 vor. Demnach steigerte der Konzern sein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Netto verdiente RWE 795 Millionen Euro.

Die RWE-Aktie hat in diesem Jahr bereits eine starke Vorstellung abgeliefert. Die Kapitalerhöhung dürfte den Höhenflug der Aktien aber wohl nur kurzfristig bremsen. Dafür spricht das große Interesse der Investoren an der Kapitalerhöhung – das Angebot war Unternehmensangaben zufolge dreifach überzeichnet. Das nächste Anlaufziel könnte das Zwischenhoch vom März 2012 bei 37,12 Euro sein. Charttechnisch wäre danach sogar Platz bis knapp an die 50-Euro-Marke. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die RWE-Aktie angesichts der Kapitalerhöhung heute früh auf ihrer sogenannten „Conviction Buy List“ mit einem Kursziel von 38,50 Euro belassen.

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