Beim Biotech-Zulieferer Sartorius läuft es derzeit rund. 2019 war ein weiteres Rekordjahr. Doch das Unternehmen plant weiter zu wachsen und will seinen Umsatz in den kommenden fünf Jahren verdoppeln.

Sartorius Vz. – Stand: 11.02.2020

Mit einem Wertzuwachs von etwas mehr als 70 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehörten die Vorzugsaktien von Sartorius zu den stärksten Werten im MDAX. An der Börse wird der Laborausrüster und Biotech-Zulieferer mittlerweile sehr ambitioniert bewertet – bei jährlichen Wachstumsraten jenseits der 10-Prozent-Marke ist dies jedoch wenig überraschend. Erst vor Kurzem legte das Unternehmen beeindruckende Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr vor.

Das Geschäft von Sartorius lässt sich grob in die Geschäftsbereiche Bioprocess Solutions (Technologien für die Produktion biopharmazeutischer Medikamente) und Lab Products & Services (Technologien und Dienstleistungen für Labore der Pharmaindustrie und der Life-Science-Forschung) unterteilen. Die Sparte Bioprocess Solutions gilt dabei als Wachstumstreiber, denn die Biotechnologie boomt und gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Bereits mehr als die Hälfte neuzugelassener Medikamente wird biotechnologisch erzeugt. Mit Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Biopharmazie unterstützt Sartorius seine Kunden dabei, die Effizienz der  Wirkstoffentwicklung zu erhöhen und die Produktion zu vereinfachen.

Nach vorläufigen Zahlen steigerte der Konzern seine Erlöse 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund 17 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro (währungsbereinigt plus 14,8 Prozent). Zu betonen ist, dass das starke Umsatzwachstum nahezu komplett „organisch“, also ohne Zukäufe zustande kam. Die Mitte Dezember erworbene Mehrheit an der israelischen Biological Industries, einem Entwickler und Hersteller von Zellkulturmedien, hatte noch kaum Auswirkungen auf das Geschäft. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte sogar um 22,4 Prozent auf etwa 495,8 Millionen Euro, womit die Gewinnmarge beeindruckende 27,1 Prozent betrug (Vorjahr 25,9 Prozent). Die Auftragsbücher sind weiterhin gut gefüllt. Der Auftragseingang erhöhte sich wechselkursbereinigt um 14,8 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr 2020 stellte Sartorius ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 10 bis 13 Prozent auf erstmals mehr als 2 Milliarden Euro in Aussicht. Allerdings ist hier durchaus mit einer Anpassung nach oben zu rechnen, denn der Konzern hat sich bereits im Oktober mit dem US-Mischkonzern Danaher auf den Zukauf dessen Bioanalytik- und Bioprozess-Sparte verständigt. Der Verkauf soll voraussichtlich noch im laufenden Quartal abgeschlossen werden. Die Danaher-Sparte erzielte 2018 einen Gesamtumsatz von etwa 140 Millionen US-Dollar. Der Kaufpreis soll bei 750 Millionen Dollar liegen und wäre für Sartorius damit der größte Zukauf der Unternehmensgeschichte.

An der Börse wird Sartorius derzeit mit 16,3 Milliarden Euro bewertet, was auf Basis der Umsatzerwartung für 2020 in etwa einer Umsatzmultiplen von acht entsprechen würde. Das ist bereits recht ambitioniert. Allerdings erwartet Sartorius seine Erlöse bis 2025 auf rund 4 Milliarden Euro verdoppeln zu können. Kann der Konzern die Wachstumsraten der vergangenen Jahre aufrecht halten, sollten weitere Kurssteigerungen durchaus möglich sein.

Charttechnisch kennt die Aktie derzeit scheinbar nur einen Weg – den nach oben. Am heutigen Dienstag erreichte das Papier bei 233,60 Euro ein neues Rekordhoch. Kurzfristig könnte die Aktie durchaus eine Verschnaufpause gebrauchen. Grundsätzlich ist der Weg nach oben jedoch frei. Sollte es zu einer Verschnaufpause kommen, würde eine erste bedeutende Unterstützung allerdings erst am jüngsten Zwischentief bei 207,80 Euro auftauchen. Knapp darunter wartet bei 206,70 Euro bereits die 38-Tage-Linie. Das Chartbild würde sich aber selbst bei einem Rücksetzer auf den seit Anfang 2019 etablierten Aufwärtstrend nicht gravierend trüben, der aktuell bei etwa 180 Euro verläuft.

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