Zahlreiche Experten hatten dem US-Streaming-Dienst Netflix wegen aufkommendem Konkurrenzdruck ein schwieriges Jahr 2020 vorausgesagt. Geworden ist es jedoch das bisher erfolgreichste der Unternehmensgeschichte.

Der Streaming-Anbieter Netflix ist in den vergangenen Jahren in einem atemberaubenden Tempo gewachsen. Allein im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf annähernd 25 Milliarden US-Dollar. Der Betriebsgewinn stieg sogar um 76 Prozent auf 4,59 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verdiente Netflix 2,76 Milliarden Dollar, was immerhin rund 48 Prozent mehr war als im Vorjahr. Beeindruckend war auch der Gewinn von 36,5 Millionen Neukunden, womit die Zahl der zahlenden Abonnenten erstmals die magische 200-Millionen-Marke überschritt.

Netflix – Stand: 19.01.2021

Das starke Wachstum war nur mit der Aufnahme neuer Schulden zu erreichen, denn es mussten Unmengen an Film- und Serien-Lizenzen gekauft und Eigenproduktionen finanziert werden. Netflix selbst hatte aufgrund der hohen Verschuldung lange vor einer Katastrophe gewarnt, sollte eine Rezession kommen und die Kunden in Scharen ihr Abo kündigen. Noch 2019 hatte das Unternehmen einen negativen freien Cashflow von 3,3 Milliarden Dollar ausgewiesen – Unternehmensrekord!

Doch es ist anders gekommen. Die Coronakrise hat die Weltwirtschaft in eine Rezession geschickt, doch rannten Netflix die Kunden, anders als erwartet, nicht weg. Stattdessen konnte sich der Streaming-Dienst vor Neukunden kaum retten. Und das, obwohl mit Disney+ und HBO Max von WarnerMedia 2020 gleich zwei neue, starke Konkurrenten auf den Markt preschten.

Durch den jüngsten Wachstumsschub hat Netflix nun eine Größe erreicht, um genug Cashflow zu generieren. Daher kündigte der Konzern an, sein Tagesgeschäft künftig ohne neue Schulden finanzieren zu wollen. Zudem stellte Netflix ein Aktienrückkaufprogramm in Aussicht, was bei vielen Anlegern inzwischen besser ankommt, als eine Erhöhung der Dividende.

Charttechnisch könnte die Aktie heute zum Sprung ansetzen. Nach der gestrigen Vorlage der Zahlen kletterte die Aktie im nachbörslichen US-Handel bereits um mehr als 60 Dollar oder 12 Prozent auf 562,70 Dollar. Damit ist das Rekordhoch vom Juli bei 575,17 Dollar bereits zum Greifen nah. Bei einem Überqueren wäre einem Vorstoß in neue Rekordregionen wohl kaum Grenzen gesetzt.

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