Mit einem Minus von aktuell rund 27 Prozent seit Jahresanfang gehören die Fresenius-Papiere zwar nicht zu den zehn schwächsten Titeln im DAX in diesem Jahr, doch ist die Entwicklung dennoch überaus enttäuschend. Das Unternehmen hatte zuletzt viele Probleme, für die es nur bedingt etwas konnte. Dennoch wurde die Konzernleitung für das schwache Abschneiden in den vergangenen Jahren mitverantwortlich gemacht. Ein neuer Mann an der Spitze soll ab Oktober die Wende bringen.

Der Krankenhausbetreiber und Medizinkonzern Fresenius musste in der jüngeren Vergangenheit wegen der Corona-Pandemie Operationen verschieben, um Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten. Zudem konnten zahlreiche Therapien nicht durchgeführt werden. Auch verhagelten strenge Hygieneauflagen die Bilanz. Vor allem die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) hatte schwer mit der Coronakrise zu kämpfen und musste eine erhöhte Sterberate bei seinen Dialyse-Patienten feststellen. Die Corona-Situation hat sich mittlerweile zwar etwas entspannt, doch kämpft das Unternehmen aktuell gegen eine Mischung aus Kosteninflation und Fachkräftemangel.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte Fresenius zwar ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 19,74 Milliarden Euro erzielen, doch sank das Konzernergebnis währungsbereinigt um 3 Prozent auf 913 Millionen Euro.

Konzernchef Stephan Sturm wurde die Rückkehr auf den Wachstumspfad nicht mehr zugetraut, weshalb sich der Vorstand auf einen Führungswechsel verständigte. Ab Oktober wird der bisherige Chef der Biosimilar-Tochter Fresenius Kabi, Michael Sen, die Konzernleitung übernehmen. Der designierte neue Firmenchef will alle Unternehmensteile auf dem Prüfstand stellen. Der geplante Minderheitsverkauf der Kliniken-Tochter Helios wurde vorerst aufs Eis gelegt, damit sich Sen ein eigenes Bild machen kann. Auch bei der krisengebeutelten Tochter Fresenius Medical Care wurde mit Carla Kriwet eine neue Vorsitzende eingesetzt.

Die Börse und die Analysten reagierten positiv auf den Führungswechsel bei Fresenius.  Für einige Analysten ist die Fresenius-Aktie an der Börse „fehlbepreist“. Der Markt hätte seit Beginn der Pandemie auf die Probleme der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) überreagiert. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von deutlich unter 10 erscheint das Unternehmen an der Börse unterbewertet. Nach Meinung von Analysten habe der Markt noch nicht das volle Potenzial der biotechnologisch hergestellten Nachahmermedikamente (Biosimilars) der Tochter Fresenius Kabi erkannt. Genau hier müsse der neue Konzernchef Michael Sen künftig ansetzen, um die Wahrnehmung der Investoren am Markt für Fresenius als Wachstumswert zu schärfen.

Charttechnisch gab die Aktie jüngst ein Lebenszeichen von sich, indem sie erstmals seit Mai wieder über ihren aktuell bei 25,00 Euro verlaufenden 38-Tage-Durchschnitt kletterte. Der Widerstandsbereich bei 26,52/26,69 Euro, der aus den Tiefpunkten vom März und Juni resultiert, war zunächst jedoch eine Nummer zu groß. Kann das Hindernis gemeistert werden, würde sich Erholungspotenzial bis zum Tief vom Oktober 2020 bei 31,03 Euro eröffnen, ehe die vielbeachtete 200-Tage-Linie bei aktuell 31,36 Euro in den Fokus rücken könnte. Ein Unterschreiten des jüngsten Korrekturtiefs vom August bei 23,40 Euro würde das Chartbild allerdings wieder gravierend eintrüben.

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