Fresenius Medical Care (kurz FMC) ist bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen. Obwohl sich das Coronavirus im zweiten Quartal global weiterverbreitet hat, konnte der Dialyse-Spezialist im Zeitraum April bis Juni sowohl Umsatz als auch Gewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern.

Während der Umsatz um 5 Prozent auf 4,56 Milliarden Euro kletterte, konnte das Konzernergebnis um 38 Prozent auf 351 Millionen Euro gesteigert werden. Daraus resultieren Umsätze im ersten Halbjahr in Höhe von 9,05 Milliarden Euro, was 7 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Das Konzernergebnis beläuft sich nach sechs Monaten auf 634 Millionen Euro, was den Wert des Vorjahres um 21 Prozent übertrifft.

Stand: 23.09.2020

Beim Ausblick gab sich die Fresenius-Tochter jedoch gewohnt konservativ und erwartet für 2020 aufgrund der sich im ersten Halbjahr ausgleichenden Effekte der COVID-19-Pandemie sowohl beim Umsatz als auch beim Konzernergebnis weiterhin ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

FMC ist globaler Marktführer im Dialysegeschäft. Und der langfristige Wachstumstrend in der Branche hält an: Im Schnitt wächst die Zahl der Patienten, die wegen Nierenversagens eine maschinelle Blutreinigung benötigen, pro Jahr weltweit um sechs Prozent. FMC betreut weltweit fast 350.000 Patienten, den größten Teil davon in Nordamerika. Dementsprechend fallen rund 70 Prozent der gesamten Umsätze auf Nordamerika. Doch obwohl die Region von der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten besonders hart betroffen wurde, besteht wenig Grund zur Sorge. Wie FMC-Chef Rice Powell jüngst bestätigte, wurden dem Konzern die durch die Pandemie in den USA entstandenen höheren Kosten im zweiten Quartal im Rahmen des von der US-Regierung verabschiedeten Unterstützungspakets, der sogenannte „Cares Act“, erstattet.

Ein wichtiger Wachstumsbereich für FMC ist der Ausbau der Heimdialyse. 2019 hatte FMC dafür den Heimdialyseanbieter NXStage für rund zwei Milliarden Dollar gekauft. Im zweiten Quartal wurde das Heimdialyse-Angebot in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) erweitert. Das Wachstumspotenzial in Europa ist immens – aktuell werden hier derzeit erst sieben Prozent der Patienten zu Hause behandelt. In den USA liegt der Anteil der Heimdialyse-Behandlungen immerhin bereits bei 13 Prozent – hier konnte FMC die Zahl der Heimdialyse-Behandlungen im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 um 15 Prozent steigern. Die Coronakrise dürfte den Trend zur Heimdialyse wohl beschleunigen.

Die Analysten haben mehrheitlich eine positive Meinung zu Fresenius Medical Care – auf elf Kaufempfehlungen kommen sieben Halteempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel liegt aktuell bei 82,95 Euro. Die ab 2021 in den USA geltenden, neuen Regeln zum Umgang mit Patienten mit terminalem Nierenversagen (ESRD) seien für FMC günstiger als gedacht, hieß es in der Studie.

Charttechnisch gönnte sich die Aktie in den vergangenen Wochen eine Verschnaufpause und distanzierte sich wieder etwas stärker vom im Februar erreichten Jahreshoch bei 81,10 Euro. Am zurückliegenden Montag hatte sich das Chartbild deutlich getrübt, nachdem der 200-Tage-Durchschnitt, der aktuell bei 70,68 Euro verläuft, unterschritten wurde. Doch am Folgetag holte sich die Aktie den vielbeachteten Durchschnitt postwendend zurück, womit das Verkaufssignal korrigiert wurde. Für neue Aufwärtsimpulse müssten aber erst das Zwischenhoch vom 23. Juli bei 79,96 Euro sowie das Februar-Hoch bei 81,10 Euro überquert werden. Danach wäre der Weg in Richtung Rekordhoch aus dem Jahr 2018 bei 93,54 Euro nahezu unverbaut.

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