Covestro befindet sich seit gut zwei Jahren in einer schwierigen Phase. Von einem möglichen Aufschwung würde der Kunststoff-Spezialist stark profitieren, weshalb sich ein guter Einstiegszeitpunkt bieten könnte.

Covestro – Stand: 15.07.2020

Anfang 2018 war die Welt für den Kunststoff-Spezialisten Covestro noch in Ordnung – die Geschäfte liefen prima, die Aktie kletterte bei 95,78 Euro auf ein Rekordhoch. Ein verstärkter Wettbewerb und ein sich abkühlender Automobilsektor machten der ehemaligen Kunststoffsparte von Bayer fortan das Leben schwer. Durch den Handelsstreit mit den USA verlor auch die chinesische Wirtschaft immer mehr an Fahrt, was die Konjunktur im Euroraum ebenfalls bremste. Die Aktie des stark von der Konjunktur abhängenden Konzerns geriet daraufhin kräftig unter Druck und hatte sich im Kurs bereits mehr als halbiert. Doch die Wolken wurden Anfang 2020 mit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie noch etwas dunkler. Wegen der Lockdown-Maßnahmen in vielen Ländern brach die Kunststoff-Nachfrage kurzzeitig komplett ein. Die Aktie fiel am 16. März im Tief auf 23,54 Euro und hatte sich damit seit dem Hoch vor knapp zwei Jahren mehr als geviertelt.

Die Coronakrise wirkte sich dann auch verheerend auf das zweit Quartal des laufenden Geschäftsjahres aus. Nach vorläufigen Zahlen erreichte Covestro im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 2,16 Milliarden Euro, was etwa ein Drittel weniger wäre als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) brach sogar um fast drei Viertel auf 124 Millionen Euro ein. Nachdem im Vorjahr noch ein Nettogewinn von 189 Millionen Euro erwirtschaftet werden konnte, dürfte nun unter dem Strich ein Verlust von etwa 60 Millionen Euro angefallen sein. Die Zahlen sind alles andere als gut, doch hatten die Analysten im Konsens noch etwas schwächere Werte erwartet. Hoffnung auf Besserung ist berechtigt, denn nachdem die Nachfrage im April und Mai überaus schlecht war, zog sie im Juni wieder spürbar an. Seine Jahresziele hatte Covestro im April bereits gekappt. Statt eines EBITDAs von 1,5 Milliarden Euro peilt die Konzernspitze nun ein Ergebnis zwischen 0,7 und 1,2 Milliarden Euro an. Die offiziellen Zahlen und möglicherweise Näheres in Sachen Jahresprognosen ist am 23. Juli zu erwarten.

Inzwischen hat sich das Papier des Kunststoff-Herstellers auf 36,50 Euro bereits wieder um mehr als 50 Prozent erholt, notiert aber noch immer um rund 62 Prozent unterhalb des Rekordhochs. Ein Erreichen des Rekordhochs ist in naher Zukunft kaum zu erwarten, dafür hat sich die europäische Konjunktur noch nicht kräftig genug erholt und auch die Automobilbranche steckt noch immer in der Krise. Zudem besteht noch immer die Gefahr einer zweiten Welle an Coronavirus-Neuinfektionen, die zu neuen Lockdown-Maßnahmen führen und den konjunkturellen Aufschwung abbremsen könnte. Dennoch könnte aktuell ein guter Zeitpunkt sein, um in Covestro zu investieren. Wer davon überzeugt ist, dass sich die Konjunktur in zwölf Monaten auf einem deutlich stabileren Pfad befindet, kann mit Covestro stark an einem Aufschwung profitieren. Zudem befindet sich der Konzern seit gut zwei Jahren in einer schwierigen Phase und hat gelernt, mit dem schwierigen Marktumfeld umzugehen. Um gut durch die Krise zu kommen wurde unter anderem der Sparkurs verschärft und Investitionen gesenkt. Somit sollte Covestro auch gut gerüstet sein, sollte sich der Konjunkturaufschwung noch etwas verzögern. Die Analysten der Deutschen Bank und von Goldman Sachs bestätigten jüngst ihre Kaufempfehlungen für die Covestro Aktie. Die Kursziele wurden ebenfalls auf 45 respektive 48 Euro belassen.

Charttechnische Impulse könnten erzeugt werden, wenn der 200-Tage-Durchschnitt bei 37,13 Euro überschritten wird. Danach würden bei 37,30 Euro allerdings noch das Zwischentief vom August 2019 und bei 37,88 Euro das Erholungshoch vom Juni auftauchen. Erst danach würde sich etwas mehr Spielraum nach oben eröffnen. Mittelfristig könnte das Zwischenhoch vom Oktober 2018 bei 48,18 Euro wieder in den Fokus rücken. Auf der Unterseite dürfte zunächst das Juni-Tief bei 31,63 Euro in Fokus stehen.

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