Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Starinvestor Warren Buffet meldete jüngst einen Rekord-Quartalsverlust in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar. Warum das Unternehmen derzeit aber dennoch sehr interessant ist.

Berkshire Hathaway – Stand: 04.05.2020

Vor einigen Tagen fand die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway statt — via Livestream über das Internet. Das hat selbst Firmenlenker und Starinvestor Warren Buffet in seiner 55-jährigen Amtszeit so noch nicht erlebt. Normalerweise strömen gut 40.000 Aktionäre aus aller Welt an den Konzernsitz nach Omaha im US-Bundesstaat Nebraska, um die Veranstaltung live zu verfolgen. Doch in der Coronakrise ist eben alles anders.
Und Warren Buffet, der in diesem Jahr 90 Jahre alt wird, hatte wenig Schönes zu berichten, denn die US-Beteiligungsgesellschaft erzielte im ersten Quartal einen Rekordverlust von fast 50 Milliarden US-Dollar. Allerdings sollte dieser Verlust nicht überbewertet werden. Berkshire Hathaway hält Beteiligungen an rund 90 Unternehmen, darunter beispielsweise am iPhone-Produzenten Apple, am Getränkeriesen Coca-Cola, am Ketchup-Hersteller Kraft Heinz oder an zahlreichen US-Großbanken. Seit Kurzem müssen US-Beteiligungsgesellschaften bei der Bilanzierung auch unrealisierte Investmentgewinne und -verluste berücksichtigen. Fällt oder steigt der Wert aller Beteiligungen im Berichtszeitraum, dann fließt dieser Rückgang oder Anstieg in das Ergebnis mit ein. Und da es im Zuge der jüngsten Korrektur an den Aktienmärkten recht heftig abwärts ging, haben auch die Beteiligungen von Berkshire Hathaway vor allem im März stark an Wert verloren. Operativ erwirtschafteten die Beteiligungen im ersten Quartal allerdings einen Gewinn in Höhe von 5,9 Milliarden Dollar, was rund sechs Prozent mehr waren als im Vorjahr. Es ist davon auszugehen, dass es im zweiten Quartal insgesamt deutlich besser laufen wird. Zwar dürfte der operative Gewinn sinken, doch ging es im April an den Aktienmärkten wieder kräftig aufwärts, was zu unrealisierten Beteiligungsgewinnen führen dürfte – für den marktbreiten S&P 500 war es der beste Monat seit 1974.

Doch Aktionäre von Berkshire Hathaway schauen in der Regel nicht von Quartal zu Quartal, sondern haben einen etwas längeren Anlagehorizont. Für unerfahrene Anleger ist die aktuelle Situation an den Börsen schwer einzuschätzen. Investmentlegende Buffet hat jedoch schon die eine oder andere schwierige Marktphase miterlebt. Und seine Aktionäre vertrauen auch dieses Mal wieder auf seinen Instinkt. Die Fantasie bei Berkshire Hathaway liegt nämlich im derzeit sehr hohen Cash-Bestand von rund 137 Milliarden US-Dollar. Genug Kapital, um sich das eine oder andere Schnäppchen zu angeln, sollte es an den Aktienmärkten noch einmal abwärts gehen. Und davon scheint Buffet überzeugt, denn er sieht aufgrund der nach wie vor hohen Unternehmensbewertungen derzeit wenig attraktive Kaufgelegenheiten. Wer sich also nicht zutraut, den Markt aktuell einzuschätzen und unter den vielen Unternehmen die „richtigen“ auszuwählen, der macht es den vielen Aktionären von Berkshire Hathaway gleich und vertraut auf Buffet.

Die B-Aktien von Berkshire Hathaway haben im Januar bei 231,61 US-Dollar ein neues Rekordhoch erreicht. Danach ging es im Zuge der Korrektur an den Aktienmärkten im Tief bis auf 159,50 Dollar abwärts, ehe es in der Erholung wieder bis knapp an die 200-Dollar-Marke ging. Aktuell notieren die Papiere bei etwa 180 Dollar, womit sich unter langfristigen Aspekten eine recht attraktive Einstiegsgelegenheit bieten könnte. Kann der in den USA vielbeachtete 50-Tage-Durchschnitt bei aktuell 190,14 Dollar überquert werden, würde sich das Chartbild aufhellen. Wird danach auch das Erholungshoch bei 197,22 Dollar herausgenommen, wäre zunächst Platz bis zum 200-Tage-Durchschnitt bei knapp über 208 Dollar, ehe das Rekordhoch allmählich wieder in den Fokus rücken würde. Auf der Unterseite sollte das jüngste Korrekturtief allerdings nicht mehr unterschritten werden.

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