Gold – Stand Chart: 29.09.2022; Quelle Chart: investing.de

Die Entwicklung des Goldpreises war zuletzt ein Trauerspiel – zumindest auf US-Dollar-Basis. Gestern erreichte das Edelmetall bei 1.615 Dollar ein neues 29-Monats-Tief und notierte damit seit Jahresanfang bereits um 202 Dollar oder 11,1 Prozent im Minus. Doch die gestrige Erholung auf 1.663 Dollar macht Hoffnung auf Besserung.

Für einige Anleger erwies sich der starke US-Dollar, respektive der schwache Euro als Segen, denn auf Euro-Basis können sich investierte Investoren hierzulande dennoch über einen kleinen Zugewinn von rund 5 Prozent seit Jahresanfang freuen.

Der starke Dollar ist allerdings ein Problem für den Goldpreis, denn er macht, wie an der Entwicklung in Euro zu sehen, das Edelmetall in Ländern außerhalb des Dollarraums teurer und damit für Käufer unattraktiver. Dies spiegelt sich auch an den ETF-Beständen wider, denn gerade in den vergangenen Monaten, in denen der US-Dollar immer stärker wurde, nahm das Kaufinteresse für Gold immer stärker ab – die Bestände in den weltweiten Gold-ETFs sanken rapide. Allein im weltgrößten Gold-ETF, dem SPDR Gold Shares, sanken die Bestände seit Mitte April um 167 Tonnen oder mehr als 15 Prozent.

Der Grund für den starken Dollar und damit auch für das nachlassende Interesse an Gold liegt an der aggressiven geldpolitischen Straffung der US-Notenbank. Diese hob zuletzt im Kampf gegen die ausufernde Inflation dreimal in Folge die Zinsen um einen Dreiviertel-Prozentpunkt auf eine Spanne von inzwischen 3,00 bis 3,25 Prozent an, was die Rendite für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren gestern auf ein beinahe 14-Jahres-Hoch bei 4,02 Prozent katapultierte. Der starke Anstieg der Anleiherenditen lastet ebenfalls kräftig auf der Goldpreisentwicklung, denn das zinslose Gold verliert im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen zunehmend an Attraktivität.

Abzulesen ist das abnehmende Interesse für Gold auch an den Terminmärkten, wo die Stimmung so pessimistisch ist wie seit langem nicht. Hedgefonds und Investmentgesellschaften, die auch als „Managed Money“ bezeichnet werden, sind inzwischen netto mit 36.695 Kontrakten (umgerechnet etwa 114 Tonnen Gold) auf der Short-Seite positioniert. So pessimistisch war das „Managed Money“ seit November 2018 nicht mehr.

Ein Ende der aggressiven Zinspolitik der Notenbanken ist zwar noch nicht absehbar, doch gab es gestern einen kleinen Silberstreif am Horizont. Die Bank of England (BoE) sieht sich mit schweren Marktstörungen konfrontiert und kündigte den Kauf von langlaufenden britischen Staatsanleihen – sogenannte Gilts – in unbegrenztem Umfang an. Die Rendite britischer Staatspapiere mit einer Laufzeit von 30 Jahren, die kurz vor der Entscheidung erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder über die 5-Prozent-Marke kletterte, brach kurz darauf bis auf 3,87 Prozent ein. Die BoE-Entscheidung hatte auch erhebliche Auswirkungen am Devisenmarkt – der US-Dollar gab im Anschluss zu den meisten Fremdwährungen kräftig nach. Am Markt keimte die Hoffnung auf, dass auch andere Zentralbanken ihre zuletzt kräftig gestraffte Geldpolitik wieder lockern könnten und das Tempo weiterer Zinserhöhungen deutlich gebremst wird.

Der Goldpreis reagierte mit einer kräftigen Erholung auf zwischenzeitlich 1.663 Dollar, kam inzwischen jedoch wieder etwas zurück. Sollten weitere Notenbanken jedoch den Fuß ebenfalls etwas vom geldpolitischen Straffungspedal nehmen, könnte das Interesse für Gold wieder zunehmen. Die pessimistische Terminmarktpositionierung einiger Händlergruppen verspricht zusätzliches Erholungspotenzial, denn steigt der Goldpreis weiter, müssten einige Investoren ihre Short-Positionen auflösen, was einen sogenannten Short-Squeeze auslösen könnte.

Die BoE-Entscheidung als Startschuss für eine Goldpreis-Rallye zu bezeichnen, ist sicherlich etwas zu früh. Sie könnte aber die Rahmenbedingungen zugunsten des Edelmetalls verändert haben. Antizyklisch agierenden Anleger könnte sich ein vielversprechendes Einstiegsniveau beim Goldpreis bieten.

Charttechnisch ist der Goldpreis nach dem Unterschreiten des Unterstützungsbereichs bei 1.681/1.677 US-Dollar erst kürzlich nach unten weggebrochen. Diesen Bereich gilt es nun zurückzuerobern. Gelingt dies, würde sich weiteres Erholungspotenzial bis zum Widerstandsbereich bei 1.719/1.723 Dollar eröffnen, der vom aktuell bei 1.717 Dollar verlaufenden 38-Tage-Durchschnitt verstärkt wird. Wird auch diese Barriere gemeistert, könnte sogar das Zwischenhoch vom August bei 1.808 Dollar wieder in den Fokus rücken. Zerplatzen die Hoffnungen auf geldpolitische Lockerungen seitens der Notenbanken jedoch, könnte der Goldpreis seine jüngste Abwärtsbewegung wieder aufnehmen. Wird das jüngste Korrekturtief bei 1.615 Dollar unterschritten, wäre auf der Unterseite zunächst Platz bis zum Zwischenhoch vom September 2019 bei 1.557 Dollar.

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