Airbus scheint die Krise überstanden zu haben, denn der europäische Flugzeugbauer kann sich vor Neuaufträgen kaum retten. Das Abarbeiten der Aufträge könnte sich jedoch als schwierig erweisen, denn die Zulieferer stoßen an ihre Grenzen.

Airbus – Stand: 22.12.2021

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat es aus der Krise geschafft, in die er zu Beginn der Coronavirus-Pandemie schlidderte. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres lieferte Airbus insgesamt 424 Verkehrsflugzeuge aus, was den Vergleichswert des Vorjahres um 24,3 Prozent übertraf (Vorjahr 341 Maschinen). Der Umsatz kletterte um 16,6 Prozent auf 35,2 Milliarden Euro. Das konsolidierte bereinigte EBIT – ohne Berücksichtigung von Rückstellungsveränderungen sowie Kapitalerträgen/-verlusten aus dem Erwerb oder der Veräußerung von Unternehmensanteilen – belief sich auf 3,37 Milliarden Euro. Im Vorjahr fiel hier ein Verlust von 125 Millionen Euro an.

Und die Zahlen hätten noch deutlich besser ausfallen können, doch produziert Airbus derzeit an der Kapazitätsgrenze. Airbus-Marketingchef Christian Scherer sagte jüngst in einem Interview: „Ich wünschte, ich hätte mehr Flugzeuge, die ich verkaufen könnte“.

Denn die Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen von Airbus ist riesengroß. Erst in der vergangenen Woche hat der europäische Flugzeugbauer gleich zwei Großaufträge an Land gezogen und sich beide Male gegen den amerikanischen Erzrivalen Boeing durchgesetzt. Zunächst bestellte die australische Fluggesellschaft Quantas jeweils 20 Maschinen vom Typ A321XLR sowie vom Typ A220-300 und sicherte sich eine Option auf 94 weitere Maschinen. Kurz darauf folgte die französische Fluglinie Air France-KLM und bestellte 100 Kurzstreckenjets des Typs A320neo und A321neo bei Airbus – so viele wie nie zuvor. Zusätzlich unterzeichnete Air France-KLM eine Absichtserklärung über den Kauf von vier Frachtflugzeugen des Typs A350.

Die Auftragsbücher sind also proppevoll. Seit Anfang des Jahres gingen allein für die A321neo 477 Neubestellungen ein, bei 55 Stornierungen. Um die Flut an Neubestellungen auch bedienen zu können, will Airbus die Produktion der A320neo/A321neo-Linien spätestens bis Mitte 2023 auf 65 Flugzeuge pro Monat hochtakten. Weitere Produktionserhöhungen sind geplant, doch könnte es hier Probleme geben.

Zulieferer hatten Airbus zuletzt gewarnt, den Bogen nicht zu überspannen – schon jetzt setzt die Produktion die Programmpartner unter Stress. Im Falle weiterer Lockdowns könnten die weltweiten Lieferketten erneut Probleme bekommen. Fällt nur eine wichtige Komponente aus, könnte die Produktion erneut ins Stocken geraten.

Die aktuelle Pandemie-Lage birgt auf kurze Sicht somit einige Risiken. Langfristig sollte Airbus jedoch kräftig wachsen können.

Charttechnisch steht die Aktie vor einem kräftigen Kaufsignal, denn die beiden vielbeachteten Durchschnitte der vergangenen 38 respektive 200 Tage bei 107,66/108,21 Euro konnten heute im frühen Handel überquert werden. Geht die Aktie auch darüber aus dem heutigen Handel, wäre das Kaufsignal perfekt. Kurzfristig wäre dann Platz bis zum November-Hoch bei 117,60 Euro.

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